Jedermann-Rennen

Granfondo degli Squali

Am vierten Tag der Blogger- und Journalistenreise in der Emilia Romagna stand das Jedermann-Rennen für Rennräder auf dem Programm. Wir hatten die sanfte Einführung mit der Panoramica, den harten Ritt nach San Marino und jetzt sollte das Granfondo degli Squali folgen: mit einer kurzen Strecke über 80 km und 1.250 Höhenmeter oder 140 km und 2.400 Höhenmeter.

3.000 Starter beim Jedermann-Rennen

Die große Attraktion für Jedermann in Italien

Die Begeisterung und der Enthusiasmus, mit dem ein Rennrad-Rennen in Italien gelebt wird, muss man erlebt haben! Dieser Granfondo Squali ist kein Vergleich mit einem Jedermann-Rennen in Deutschland. 3.000 Starter, die sich aktiv auf das Rad geschwungen haben, um alles zu geben: also nicht Vollgas bis man nicht mehr kann, sondern alles! Jeder! Auch noch das letzte bisschen Kraftreserve aktivieren und in Geschwindigkeit umsetzen. Und das Publikum? Ist sich seiner Pflicht bewusst: es schreit sich die Seele aus dem Leib, damit alle alles geben können! Genährt wird es vom Fernsehen, das natürlich auch dabei war. Und wen haben sie interviewt? Natürlich die Journalisten. Der Blogger aus Deutschland wusste nur eines: Zurückhaltung, äußerste Zurückhaltung ist geforderdert, sonst endet dieser Ausflug noch in einer Katastrophe. Und warum so bescheiden? Weil ich ein Schneckentempo-Langstrecken-Fahrer bin, der gerne über solche Ereignisse berichtet, aber unter Wettkampfbedingungen fahren? Aber einmal MUSS man das selbst miterlebt haben! Also WOLLTE ich auch mit fahren 🙂

Großes Kino: Das italienische Fernsehen wollte es von uns wissen

Auf die Plätze

Das große Rennen

Die Spannung war also zum Greifen nahe. Wir haben mit ein paar kurzen Worten die TV-Einleitung für das Rennen kommentiert und das Fernsehen hat sich über die internationale Präsenz gefreut. Andrea hat ein paar Worte über die Bedeutung des Fahrrad-Tourismus in der Emilia Romagna übrig, Matt und Vaughan sprachen zwei Sätze über die Radrenn-Sitten in Canada und Australien und Robin wurde als Geheimfavorit aus dem Fahrrad-verrückten Belgien interviewt. Ich habe derweil sämtliche Regenbogenfarben nacheinander angenommen und tapfer dazu gegrinst. Je näher die Startzeit rückte, desto kürzer wurden die letzten Handgriffe an Schaltung, Bremse, Kleidung, Rad und Reifen. Das Testosteron hat sich geradezu über die gesamte Fahrbahn ergossen.

Die Blicke der Fahrerinnen und Fahrer, gerade noch freundlich und wohl gesonnen, wurden eng und fokussiert. Großes Gehupe, Fanfaren und startende Begleitfahrzeuge markierten den Start. In Sekundenschnelle waren sämtliche Anstandsregeln vergessen. Die besten Profis waren ganz vorne in der allerersten Reihe. Die Journalisten, also auch wir, in der zweiten Reihe. Und dann kamen noch etwa 70 Reihen mit hungrigen Fahrern. Bis die letzten starten konnten, hatten die ersten schon fast 20 km zurück gelegt – ohne Übertreibung!

Es wird ernst

Nick, Andrea und Alessandro

Mit dem Startschuss dieses Jedermann-Rennen s war es dann schlagartig aus mit jeder Freundlichkeit. Die Begeisterung des Publikums musste man sich schon erarbeiten – und zwar ziemlich hart! Die Organisation bei diesen Veranstaltungen ist perfekt: Straßen sind komplett gesperrt, an jeder Ausfahrt stehen Streckenposten, die einem den Weg weisen und auch das Publikum geht so schnell nicht aus. Besonders ambitionierte Fahrer aus den ersten 10 bis 15 Reihen drücken nach vorne und fahren alles über den Haufen, was nicht bei drei aus dem Weg ist.

Auf der Strecke: Granfondo Squali

Da ich es gemütlich angehen wollte, habe ich mich sofort auf den Rand der Strecke verlegt und fahre dort – wie geplant – gemütlich, mache viele Fotos und kann die ganze Stimmung mitnehmen. Vaughan und Robin, genauso wie Matt, Andrea, Alessandro und Nick sind sehr gut gestartet. Robin wird seiner Favoriten-Rolle zumindest insofern gerecht, dass er der schnellste unter den Journalisten ist. Alessandro, die rechte Hand von Andrea, unserem Zeremonienmeister, fährt ebenfalls sehr gut, genauso wie Nick von iAmbassador und Andrea. Alessandro hat immerhin vor etwa 5 Jahren am Giro d’Italia teilgenommen – am echten, nicht dem begleitenden Granfondo.

Robin beim Zieleinlauf

Rennverlauf

Robin hält sich ziemlich weit vorne und schafft die knapp 140 Kilometer in 4 Stunden und 9 Minuten – eine sehr gute Zeit, wie wir alle finden. Nur er war ziemlich erstaunt, dass der schnellste Fahrer bei diesem Jedermann-Rennen genau 30 Minuten schneller war als er. Der ist also einen 37er Schnitt gefahren und hat mal eben 2.400 Höhenmeter nebenher egalisiert: Ich bin schwer beeindruckt. Nach Robin fahren Andrea, Nick und Alessandro über die Ziellinie. Matt fährt ebenfalls die große Runde und schafft sie in einer respektablen Zeit. Ich mache Fotos und fahre mit und drehe nach dem dritten Berg wieder in Richtung Strand und Hotel.

Robin auf der Jagd nach dem Titel

Unten angekommen treffe ich auf Vaughan, unseren Australier aus Tasmanien, dem Sohn des 6-maligen Landesmeisters der Radfahrer McVilly. Vaughan ist mit Elan gestartet und war die ersten drei Anstiege auch immer noch in einer vorderen Verfolgergruppe. Zwei überambitionierte Hobby-Biker haben ihn aus einer langgezogenen Kurve gedrängt und ihn damit auf eine Wiese katapultiert. Die äußeren Verletzungen waren klein, das Ego allerdings deutlich angekratzt. Das Schlimmste war, dass er gesehen hat, was die Anti-Profis vorhatten und nicht aus der Situation raus kam. Das die Beiden sich mit der Aktion selbst aus dem Rennen geschossen haben mit einem Crash, hat uns nur kurz zu einem Nicken gebracht mit der tiefen Überzeugung, das Karma-Punkte doch wirklich zählen. Nach alter tasmanisch-bayrischer Sitte opfern wir in der nächsten Bar ein paar Tropfen Aperol-Spritz für unsere Ahnen und gehen anschließen noch ein bisschen Shoppen.

Noch mehr Abenteuer mit dem Rad in der Emilia Romagna?

Ihr habt Euch eingelesen in die Bike-Abenteuer in der Emilia Romagne? Ihr wollte gerne mehr erfahren? DA haben wir zum Beispiel die Abenteuer von Biking Tom, die Euch sicherlich auch sehr gefallen werden. Viel Spaß beim Lesen! Und hinterlasst uns ruhig Eure Kommentare. Wir freuen uns 😉

Ganz vorne mit dabei
Vor dem Start des Granfondo Squali

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