Radfahrer Typologien

5 Radfahrer Typen sollt ihr sein. So hat es die repräsentative Studie der GIM zu Radfahrer Typologien mit validen Daten zum Ergebnis gebracht. Wenn es also in Zukunft wieder heißt: „Die Radfahrer“, dann können wir jetzt kontern mit: „Welchen Typ Radfahrer meint Ihr?“ Für die Marketing-Abteilungen der Fahrrad-Industrie ist die Studie ein Segen: bisher war fundiertes Datenmaterial vorwiegend aus den USA und nicht für Europa verfügbar. Das Fahrrad-Nutzungsverhalten in den USA und in Europa unterscheidet sich jedoch stark voneinander. Mehr als die Hälfte der Deutschen nutzen ein Rad im Alltag – wenn das keine Ansage ist!

Europäer fahren anders Rad

Sebastian Klein und Nele Klauss, beide bei GIM: „Die US-Amerikanischen Radfahrer sind schon gut untersucht und viele erfolgreiche Initiativen wurden auf Basis dieser Studien entwickelt. Doch die europäischen Radfahrgewohnheiten unterscheiden sich davon – unsere Studie bietet jetzt auch eine passende Grundlage für Initiativen hierzulande an. Wir freuen uns, dass wir unsere Erkenntnisse mit den Lesern von born2.bike teilen dürfen und sind gespannt auf die Reaktionen!“

Radnutzung im Alltag, (c) GIM, 2018

Mehr als die Hälfte der Deutschen nutzen ein Rad im Alltag

Nach dem Auto ist das Rad das häufigste Verkehrsmittel der Deutschen. Im Alltag nutzen 49 Prozent der Deutschen ein Fahrrad, dazu kommen 6 Prozent mit einem eBike/Pedelec. Das ist sogar mehr als der Öffentliche Nahverkehr mit insgesamt 47 Prozent. Die Räder, ihre Nutzung und die Einplanung in die Verkehrsinfrastruktur lassen sich also nicht mehr weg diskutieren. Der Druck auf die Verkehrsplaner hat mit dieser Studie ein weiteres notwendiges Argument gefunden.

Schwache Datenlage in Deutschland

Die GIM (Gesellschaft für Innovative Marktforschung mbH) hat mit Ihrer Studie, die den Titel „I want to ride my bicycle – Eine quantitative Studie zu Motiven & Barrieren des Radfahrens in Deutschland“ trägt, eine Lücke geschlossen. Radfahren ist seit Jahren ein Trendthema. Die Marktforscher konnten mit Ihren validen Zahlen 5 unterschiedliche Typen klassifizieren, die sich signifikant voneinander unterscheiden. Die Marketingabteilungen können jetzt auf „Persona’s“ zurückgreifen, die sie mit Ihren Kampagnen mit weniger Streuverlusten ins Visier nehmen können. Die schwache Datenlage war für die GIM ausreichender Anlass die Studie in Eigenverantwortung zu initiieren. Wir haben sie mit großem Interesse gelesen.

Methodik

Über 2 Wochen wurden ca. 2.000 Menschen im Herbst 2017 zu ihrem Fahrrad-Nutzungsverhalten befragt (Online-Befragung, ca. 20 Minuten, repräsentativ verteilt Alter und Regionalist)). Von besonderer Relevanz waren: generelle Wertvorstellungen, aktuelle Rad-Nutzung und Häufigkeit, Gründe für und gegen die Nutzung eines Rades zu besonderen Anlässen. Die Ergebnisse wurden im September 2018 veröffentlicht. Verantwortlich für die Studie sind Sebastian Klein als Research Director und Nele Klauss, Research Manager, beide bei GIM. Die Studie kann bei GIM angefragt werden.

Radfahrer Typologien im Überblick der GIM-Studie (c) GIM, 2018

Radfahrer Typologien

Wie sehen die Radfahrer Typologien in Deutschland aus? Was kennzeichnet sie? Wir beschreiben Euch die 5 Typen kurz, natürlich werten wir die Typen nicht, da wir alle uns vermutlich ein bisschen in jedem Typen mehr oder weniger wieder finden. Die verschiedenen Gruppen sind alle um die 20 Prozent groß (+- 3%). Ihr Verhalten ist aber durchaus recht unterschiedlich.

  • Sunday Bike Enthusiasts Diese Gruppe liebt das Naturerlebnis und den Sport mit dem Rad, wohnt relativ häufig im ländlichen Bereich (51% ggü 39% im Durchschnitt), fährt sehr gerne mit dem MTB und ist überdurchschnittlich viel mit dem Auto unterwegs. Trotzdem sehen sie bei Rad einen aktiven Beitrag zum Umweltschutz.
  • Bike Refuseniks Sie sind vorwiegend weiblich (2:1) und finden das Rad anstrengend. Radfahren ist zwar ein Naturerlebnis, aber es ist unpraktisch und unsicher und damit kein vollwertiges Verkehrsmittel.
  • Everyday Bike Troupers Sie lieben das Radfahren, weil es günstig, gesund, flexibel und umweltfreundlich ist. Es wird nur dann kein Rad gefahren, wenn etwas zu transportieren, die Strecke zu weit ist oder es zu lange gedauert hätte.
  • Pragmatic Cyclists Das Rad ist Mittel zum Zweck: es soll von A nach B bringen. Außerdem kann man auch mal Abschalten. Es sollte aber kein schlechtes Wetter sein.
  • Young Urban Bikers Das Rad bringt einen nicht nur gut durch die Stadt, sondern es sieht auch richtig gut aus und ist ein echtes Status-Symbol.

Heute wird nicht mit dem Rad gefahren, weil:

  • es zu weit gewesen wäre
  • zu lange gedauert hätte
  • etwas transportiert werden musste
  • man nicht verschwitzt ankommen wollte (gilt besonders für den Arbeitsweg)
  • oder es unbequem gewesen wäre (dieses Argument entzieht sich völlig unserer Urteilskraft)

Radfahren war super, weil:

  • das Wetter schön war
  • man etwas für seine Gesundheit tun konnte
  • die Strecke mit dem Rad Spaß gemacht hat (ist das nicht immer so?)
  • die Fahrt nichts gekostet hat
  • und es einen am einfachsten direkt ans Ziel gebracht hat
Pro und Contra Radfahren, (c) GIM, 2018

Das Rad als Alternative zum Auto?

Die größten Barrieren (zu weit, schwitzen oder mangelnde Fitness) können gelöst werden: mit eBikes. Kein Wunder also, dass eBikes sich in Deutschland so gut verkaufen. Legt man noch einen drauf und nimmt eLastenräder bewusst in die Kalkulation, dann können Räder in Zukunft eine echte Alternative darstellen. Diese Studie hat dazu beigetragen, dass jetzt auch einige Argumente zusätzlich zur Verfügung stehen.

Herausforderungen für die Zukunft

Die Studie über die Radfahrer Typologien hat die zusätzlichen Herausforderungen zur Stärkung des Rades an der einen oder anderen Stelle schon beleuchtet. Wir haben noch eine ganze Latte an Wünschen, wenn es speziell um eBikes und Lastenräder geht. Hier ein paar:

  • eBike-Tankstellen: eBike-Auflademöglichkeiten für unterwegs an Orten, die häufig besucht werden.
  • mehr Parkplätze/Sicherungssysteme zur sicheren Verwahrung von Lastenrädern über Nacht
  • Fahrtechnik-Training für ungeübte eBiker (besonders eMTB), die überall hoch, aber schlecht wieder runter kommen, bzw. einfach keinerlei Erfahrung haben bei der Fahrt nach unten
  • noch mehr und besser gepflegte Radwege
  • viel mehr miteinander statt gegeneinander
  • und noch mehr Tourvorschläge, hier z.B. schon mal ein paar MTB-Touren, Urbane Touren und Rennrad-Touren

Und Eure Meinung?

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