ergotec Material Test

Enduro Airtime
ergotec Material Test

Die Formel 1 ist für Menschen mit Benzin im Blut ein Ereignis der ganz besonderen Art: atemberaubende Spannung, der Kampf um zehntel Sekunden und eine unbeschreibliche Materialschlacht. Nur der beste Mix aus Team, Material und Rennstrategie gewinnt am Ende das Rennen und letztlich die Saison. Was hat aber der Otto-Normal-Verbraucher davon? In der Formel 1 werden auch immer wieder neue Materialien ausgetestet, die unter härtesten Bedingungen Stand halten müssen. Und was hat das mit Radfahren zu tun? Auch hier gibt es Disziplinen, die mehr auf das Material gehen, als andere: zum Beispiel Enduro-Biken mit besonders viel Air-Time. Die Bilder sind spektakulär. Der Fun ist gigantisch. Aber der Material-Verschleiß leider auch. Am Ende können die Ergebnisse hier aber auch sehr gute Impulse für leichtere, stabilere oder einfach neu durchdachte Räder geben. Mit unserem neuen Premium-Sponsor haben wir also den ergotec Material Test gewagt. Die Produkte von ergotec liegen traditionell eher im Bereich City-Bikes, Touren-Räder und eBikes. Getestet wird aber unter härtesten Bedingungen im Labor (Video!) und wir testen im Außeneinsatz. In diesem Artikel findet ihr viele Produktnamen, daher muss er als Werbung eingestuft werden.

ergotec ist seit über 10 Jahren euer Spezialist für Komponenten und Anbauteile am Fahrrad. Sattel, Lenker, Sattelstützen, Griffe und Pedale stellt ergotec Konsumenten für alle Fahrradtypen zur Verfügung. ergotec ist die Marke von Humpert, die es seit über 100 Jahren gibt. Und Luca ist unser Spezialist für Airtime UND für den harten Materialeinsatz. Er hat für Euch getestet. Lest seine Geschichte:

Unsere getesteten Komponenten
ergotec Material Test Übersicht: Lenker, Vorbau, Griffe und variable Sattelstütze

Luca’s Härte-Test in der Praxis

Im Laufe der letzten 5-10 Jahre hat sich in der Fahrradbranche einiges getan, was dazu führt, dass ein gerade mal 5-Jahre altes Rad mit aktuellen Rädern kaum noch konkurrieren kann. Doch deshalb ist es noch lange kein schlechtes Rad, oftmals reichen einzelne kleine Veränderungen, um es wieder konkurrenzfähig zu machen. Mein 2014er Ghost Cagua 6590 hat bereits einiges durchgemacht, egal ob Bikepark-Besuche oder große Sprünge auf den lokalen Trails und mir einen guten Dienst geleistet. Deshalb hat es letztes Jahr einen Nachfolger das 2018er YT Capra Al bekommen und ist nun im verdienten Ruhestand, als mein Zweitrad. Bei intensiver Nutzung geht leider selbst an den besten Rädern immer wieder etwas kaputt, was einen dann vom Biken abhalten kann. Und genau hier kommt mein Ghost ins Spiel, selbst wenn an meinem Capra etwas defekt ist bin ich trotzdem immer bereit, wenn der Trail ruft. 

ergotec Material Test im Einsatz
Eingebaut und im Einsatz: ergotec Lenker, Griffe, Vorbau und Sattelstütze

Heiß geliebt: the big Ghost

Urspünglich war es ein Highend-Bike, bei dem an vielen Stellen leichte Teile verbaut waren, um das Gewicht auf knapp weniger als 14kg zu drücken, was für ein Aluminium Enduro mit 2-fach Antrieb und 160mm Federweg beachtlich ist. Doch Gewicht ist in meinem Anwendungsbereich nicht ausschlaggebend, auch wenn ich jetzt schon weiß, dass Patrick jetzt am liebsten dazwischen funken möchte (Patrick: für Enduro völlig in Ordnung ;-)). Aber lass es mich erstmal ausführen: wer sein Rad stark beansprucht muss sich auf seine Komponenten verlassen können, außerdem ist die Materialbelastung einer normale Tagestour oder einer Trailtour, nicht vergleichbar mit einem 2m Drop oder 4m Sprüngen. Diese Belastungen haben zur Folge, dass an dem Ghost das ihr hier seht nur der Rahmen, die Federelemente, die Bremsen, die Kurbelarme und das Hinterrad abgesehen von ein paar Speichen, vom originalen Rad geblieben sind und auch die Teile haben einiges an Pflege und Service erfahren. Alles andere wurde ersetzt und das hauptsächlich wegen Materialversagen oder Verschleiß. Deshalb bevorzuge ich stets Stabilität und Haltbarkeit und nicht gewichtoptimierte Teile. 

Der Blick ins Testlabor hat einige Augen geöffnet

Nachdem ich Anfang des Jahres mit Patrick bei ergotec war und wir einen Einblick in deren Produktionsstätte und ihr Testlabor bekommen haben, wurde mir klar, dass ihre Produkte sehr hohe Standards erfüllen. Geschäftsführer Wilhelm Humpert versicherte mir, dass ihr Mountainbike-Lenker die gleichen Standards erfüllt, wie das Alu Pendant von anderen anerkannten Herstellern. Das ist mal eine Ansage, mit der er sofort mein Interesse geweckt hatte. Die Vorfreude auf den ergotec Material Test und den Lenker war dem entsprechend groß und erst befriedigt, als der Lenker endlich an meinem Rad montiert war. ergotec spendierte mir ein neues Cockpit wie ihr sehen könnt und ich muss sagen die ersten Tests hat es gut bestanden, auch wenn ich den Lenker noch auf 760mm kürzen möchte, da mir 780mm persönlich zu breit sind. Das sind aber persönliche Vorlieben aufgrund meiner Körpergröße(178cm) und meines verspielten Fahrstils. Der neue 35mm lange Vorbau hat den Charakter meines Bikes nochmal deutlich an meine Bedürfnisse angepasst auch wenn es nur 15mm sind ist das Rad nun nochmal deutlich verspielter und es lässt sich noch besser Druck aufs Vorderrad geben.

Mit der richtigen Einstellung klappt’s auch mit dem Wheely

Einstellungssache

An dieser Stelle kann ich nur sagen, um alte Räder auf den neuesten Stand zu bringen, würde ich empfehlen einen kurzen Vorbau und einen breiten Lenker zu montieren, aus zwei Gründen: 

1.Durch den kurzen Vorbau kann man Überschlagsgefühlen im Downhill vorbeugen und Druck direkt von oben auf das Vorderrad und die Federung geben, was das Ansprechverhalten der Federung und das Kurven fahren deutlich verbessert. Doch es gibt auch einen Nachteil, dies gilt nur für die Abfahrt, im Uphill ist ein langer Vorbau wünschenswert, weil so das Gewicht weiter nach vorn verlagert wird und sich das Vorderrad in sehr steilen Passagen nicht so leicht vom Boden hebt, deshalb findet selbst einen Kompromiss der zu eurer Fahrweise passt.

2.Ein breiter Lenker verzeiht deutlich mehr Lenkfehler und macht besonders die Abfahrt deutlich stabiler. Um das auszuprobieren greift euren Lenker auf einem ungefährlichen flachen Stück normal und anschließend direkt neben dem Vorbau und ihr werdet merken wovon ich spreche. Aber auch hier gilt ,,bigger isn´t always better“, es hängt von eurer Körpergröße und Armlänge ab wie breit der Lenker tatsächlich sein sollte, macht einfach mal Liegestützen und messt den Handabstand in der Position in der ihr eure Kraft optimal nutzen könnt und schon habt ihr einen guten Anhaltspunkt wie breit euer Lenker sein sollte.

Die Sattelstütze – sehr sinnvoll: die externe Zugführung

Absenkbare Sattelstütze

Eine weitere Innovation der letzten 10 Jahre, die sich nicht mehr von modernen Mountainbikes wegdenken lässt, sind absenkbare Sattelstützen. Im Gegensatz zu dem Cockpit das vorher auf meinem Ghost war, brauchte ich hier tatsächlich dringend ein Update, denn die original verbaute Rock Shox Reverb hatte schon nach 1 ½-2 Jahren angefangen mir Sorgen zu bereiten. Abgesehen von dem am Sattelstützenkopf befestigten Kabel das sich beim ein- und ausfahren immer mitbewegte und so den Lack vom Rahmen rieb, konnte sie im Winter zum Spaßverderber werden, da sie bei Minustemperaturen nur noch langsam oder gar nicht mehr funktionierte. Des Weiteren wäre ein teurer Service angestanden dem ich über lange Zeit nur durch ständiges entlüften und dem Kompromiss, dass die Stütze 1-3cm nachgab, entkommen konnte. Es war also Zeit für eine neue Stütze. Die absenkbare Sattelstütze von ergotec ließ sich sehr einfach montieren, sie hat extern verlegte Züge die sich nicht mitbewegen und 125mm Absenkweg. Für meinen Geschmack könnten es ruhig noch ein paar cm mehr sein, aber das hängt wieder sehr von individuellen Bedürfnissen ab und wer sich schon einmal mit extern verlegten absenkbaren Sattelstützen mit einem großen Verstellweg umgeschaut hat, wird wissen, dass der Markt hier sehr dünn ist, auch wenn Marken wie Kind Shock, Fox, Pro und Vecnum nachziehen bzw. schon länger Varianten anbieten. Bisher läuft alles reibungsfrei, was mir besonders positiv aufgefallen ist, dass seitliche Spiel das alle Sattelstützen haben ist minimal und erleichtert das fahren im Wheelie enorm. Wenn man die Ethirteen TRS Dropper gewohnt ist, ist das eine deutliche Verbesserung, auch wenn mir an der TRS die extrem schnelle Ausfahrgeschwindigkeit ohne große Kraft dahinter besser gefällt.

Fazit

Alles in allem bin ich sehr zufrieden mit der stufenlos verstellbaren Stütze und gespannt wie sie sich im Langzeittest schlägt. Danke an dieser Stelle nochmal an ergotec, denn ich war schon lange auf der Suche nach einer neuen Sattelstütze und hatte auch schon in Betracht gezogen ein Loch in den Rahmen zu bohren um eine intern verlegte Stütze verbauen zu können, was funktionieren kann. Trotzdem rate ich davon ab bzw. seid ihr auf euch gestellt, wenn ihr so etwas macht, ihr schwächt damit euren Rahmen signifikant! Es gibt wie ihr seht schließlich auch andere gute Optionen.

Praxis-Tipps

Und um den Artikel abzurunden hier sind noch ein paar kurze Tipps, um euer altes Bike auf einen aktuellen Stand zu bringen bzw. Einstellungen und Parts die einen großen Einfluss auf das Fahrgefühl des Rads haben:

-Die drei Kontaktpunkte zum Bike: Griffe, Sattel und Pedale

-Der Kontaktpunkt zum Boden: Reifen und deren Druck

-und zu guter Letzt die kostenlosen Updates: Fahrwerkseinstellungen, Reifendruck und die Einstellungen am Cockpit wie Barroll, Bremshebelposition etc. können einen massiven Unterschied machen und das Rad auf das nächste Level bringen.

Viel Spaß und einen guten Start in die Bike-Saison! Euer Luca Morell

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