Bike 2.0 – Bike 2020

EUROBIKE
EUROBIKE Sept. 4 – 7

Was erwartet den begeisterten Radfahrer im Jahr 2020? Wird es ein SmartBike geben? Der Taktgeber der Fahrradbranche ist die  EUROBIKE, die in Friedrichshafen vom 4. bis zum 7. September 2019 für den Fachhandel geöffnet hat. Am 7. September 2019 ist sie auch für private Interessenten offen. Wurde das Rad neu erfunden? Im kleinen oder im großen Stil? Born2.bike war auf den Media Days der EUROBIKE in Kronplatz Südtirol (vor allem mit den Neuigkeiten aus der MTB Ecke) und auch auf den Urban Mobility Media Days, die einen Schwerpunkt bei Lastenrädern und eBikes gelegt haben. War auch das Bike 2.0 oder das Bike 2020 dabei? Wir finden schon, wir haben es gleich mehrfach aufgestöbert.

Detaillösungen

Die GRX-Gravelbike-Kombi von Shimano, Bremsen ohne sichtbare Kabel von Magura, Naben und Felgen von DT-Swiss, Motoren von Fazua, SRAMs eTap Lösungen kommen in der Breite an und sind nicht aufzuhalten. Ergotec ist mit seiner Zertifizierungsoffensive auch bei Lastenrädern goldrichtig verankert. Und die Motoren werden immer kleiner aber kräftiger (wie der Bosch Performance Line CX), leiser und die Akkus halten länger (Brose im Nox-MTB oder Neodrives). Das gilt sowohl für eMTBs als auch für eLastenräder. Daneben werden auch die Strategien der Hersteller immer besser: So zeigt uns KTM, wie man Kabel im Rahmen richtig verlegt, um einen guten Service über die gesamte Lebensdauer zu bieten und Simplon bietet eine Zusatzbatterie in der Flaschenhalterung, um extrem lange Ausritte mit dem sehr gelungenen Rapcon Pmax zu ermöglichen. Und bei den Fahrrad-Navis gibt es ebenfalls viel Bewegung: Das Garmin 1030, das letztes Jahr den Markt erobert hat, hält länger und lässt sich gut mit Touch-Screen bedienen, das Wahoo Elemnt Roam ist vor ein paar Monaten in den Ring gestiegen und überzeugt mit einer durchdachten „Open-Source“-Strategie, die die Garmin-Schwachstelle „Benutzerfreundlichkeit“ im Visier hat – und gekonnt aushebelt.  

Yuba Lastenrad Longtail

Neues rund um Lastenräder

Unaufhaltsam rücken die Lastenräder oder CargoBikes immer weiter in den Fokus der Fahrradindustrie – und das ist gut so, schließlich sind sie ein sehr wichtiger Baustein auf dem Weg zu weniger Auto-Individual-Verkehr in den Städten. Hier eine kleine Linkliste mit Förderprogrammen für den Kauf von Lastenrädern (keine Rangfolge oder Präferenz): Bundesregierung , e-Lastenrad.de , Ministerium für Verkehr Baden-Württemberg , Corgobike.jetzt, ADFC NRW (Es gibt sehr viele Förderprogramme, sucht ein bisschen, es lohnt sich! Gerne könnt Ihr unten Kommentare rein schreiben und Links setzen) . Neuigkeiten: Bikegarage von WSM mit Stromanschluss für Lastenräder und normale eBikes, gute Finanzierungsmöglichkeiten durch Zuschüsse von Kommunen, Ländern (siehe oben) oder auch den Arbeitgeber z.B. mit Jobrad und eine Preisoffensive von Yuba-Bikes, die uns besonders gefallen hat: das Lastenrad für € 1.000,-  (auch im Video). Yuba-Bikes setzt sehr gerne auf „Longtails“, das sind die Lastenräder, die hinten eine sehr lange Sitzbank haben, auf die man z.B. gleich 2 Kindersitze hintereinander drauf bauen kann. Funfact: Kindergartenkinder finden „normale“ CargoBikes irgendwann kindisch – die Longtails hingegen bleiben lange im Gebrauch, da irgendwann der große Bruder seine Freundin damit „abschleppt“.

Das Simplon Rapcon Pmax – der elektrische Nachfolger unseres Allmountains

Das eMountain Bike 2020

Wir haben sehr zaghaft das Thema eBikes bei born2.bike aufgenommen. Unser erster eBike-Artikel ging denn auch um das UpGrade von einem hübschen Urban Bike zu einem eUrban Bike. Wer es gewohnt ist, den Berg mit der eigenen Kraft zu erobern, der fühlt sich oben auf dem Berg echter, als wenn er mit einem eMTB hoch gefahren wäre. So die Theorie und subjektiv gefühlte Praxis von uns. Zwei Bikes haben wir bei den MediaDays in Kronplatz Südtirol kennen gelernt, die uns – jedes auf seine Weise – wach gerüttelt haben. Bei beiden Bikes hatten wir Schnappatmung vor Begeisterung und weil sie uns alles abverlangt haben. Die Bikes: das Simplon Rapcon Pmax und das Greyp. Das Rapcon Pmax kann man (Simplon-typisch) individualisieren. Zum Beispiel mit vorne 29 Zoll und hinten 27,5 oder beide mit 29. 150 mm Federweg sind es mindestens und vorne maximal 170, RockShox oder Fox, ganz wie man es sich wünscht. Der neue Bosch Performance Line CX Motor drückt sich in das Tretlager und die 625 Wh-Batterie verschwindet im (belüfteten!) Unterrohr und kann durch eine 500 Wh-Batterie in der Trinkflaschen-Aufnahme ergänzt werden. Die dann zur Verfügung stehenden 1.125 Wh reichen dann auch für richtig lange Ausfahrten.

Fahreindruck

Das war aber alles, was wir euch zu dem Bike zu erzählen haben: Das Rapcon Pmax ist bergauf eine Macht! Hier entwickelt es auf dem Trail berghoch Suchtpotential. Noch nie hat es soviel Spaß gemacht einen Trail hoch zu rasen (war das überhaupt schon möglich?). Die 22kg eMTB lassen sich akkurat durch die Kurven zirkeln und in die Steilwand drücken – aber Vorsicht: ihr müsst IMMER treten. Ohne Unterstützung meldet sich sehr schnell die Schwerkraft. Das ist auch der Grund, warum ihr oben trotzdem verschwitzt ankommen werden – mit einem FETTEN Grinsen im Gesicht. Und dann geht es wieder „normal“ runter. Das Simplon startet bei ca. € 6.900,- . Unser Bike 2020 aus dem MTB-Lager

Das Grey Bike wird gebaut von Rimac Automobili in Kroatien

Das Smart Bike 2020

Kann das Greyp mit dem Rapcon Pmax mithalten? Unvergleichlich. Das Greyp kann ganz andere Sachen. Auf dem Stand von Greyp Bikes, einer Tochter Firma von Rimac Automobili (ja genau, das eSuperCar, das Richard Hammond in den Schweizer Bergen zerlegt hat), steht in großen Lettern: „We are not a Bike Company“. Das Greyp ist ein Tesla auf 2 Rädern. Alles ist always online. Für das Bike bekommt man auch gleich eine SimKarte. Gemessen wird alles, angefangen bei dem Akkustand, dem Motorzustand, der Bremskraft (einziger kleiner Wermutstropfen: die Bremsen sind zu schwach für meinen Geschmack), der Navigation, der Reichweite, Leuchtkraft der Lampen, Standort, DashCam vorne und hinten (kann man aktivieren und sogar „rückwärts“ nutzen wie beim Auto) und noch 25 andere Dinge, die ich vergessen habe.

Smart gefahren

Das S-eMTB, das wir getestet haben, kann richtig schnell werden (geschoben wird bis 45 km/h). Berghoch macht es auf dem Trail ebenfalls richtig Spaß, ist aber nicht so flink und wendig, wie das Rapcon Pmax. Es hat auch fast 10 kg mehr zu schleppen (über 30kg). Für Technik-Nerds wie uns ist es aber ein Brüller! Der Motor von mpf arbeitet gut, die Würze liegt vermutlich im Akku. Wie Batterien funktionieren, weiß Rimac Automobili – Bentley, Porsche und Audi können sich nicht irren. Ein Greyp ist schon ab € 6.500,- zu haben. Wer Spaß an Auswertungen, ActionCams, digitalen Touren und vielen Daten hat, wird sich nach diesem Bike sehnen. Definitiv das Bike 2.0.

Jeder Lenker hat andere Anforderungen an Belastbarkeit, Komfort und Gewicht

Hintergrund der ergotec Zertifizierungsoffensive

Die ergotec SAFETY LEVEL

Während andere Komponenten-Hersteller einfach Teile produzieren für die unterschiedlichsten Fahrradzwecke, hat man sich bei Humpert und ergotec Gedanken über die Folgen gemacht. Wer ein Fahrrad modifiziert, weil er zum Beispiel einen Motor an- oder einbaut, wird rein rechtlich gesehen zum Hersteller. Das hat Haftungsfolgen für das komplette Fahrrad und alle damit verbundenen Teile. Schnell nachvollziehbar: mit einem Motor brauche ich sofort eine deutlich stärkere Bremse. Das zusätzliche Gewicht von Motor und Akku belastet aber auch die Tragfähigkeit und Statik aller anderen Teile. Jetzt muss jedes einzelne Teil, auf das neue und andere Belastungen durch den Umbau kommen, einzeln geprüft werden. Ein Mountainbike ist viel größeren Belastungen ausgesetzt als ein City-Bike, ein E-Bike ist deutlich schwerer als ein Trekking-Bike. Die Anforderungen an die Sicherheit sind entsprechend unterschiedlich. Das Safety Level System ist eine Sicherheits-Klassifizierung für Lenksysteme und Sattelstützen am Fahrrad. Mit diesem System macht Humpert/ergotec nachvollziehbar, welche Lenksysteme und Sattelstützen für die verschiedenen Fahrrad- und Fahrertypen geeignet sind.

Alles wird getestet

Alle Lenkerbügel, Vorbauten werden einzeln und in Kombination harten Langzeittests unterzogen (haben wir Euch im Video gezeigt). Das gleiche gilt für Sattelstützen. Es wird nach europäischen Prüfnormen oder noch höheren Anforderungen geprüft. Das Lenksystem ist ein neuralgischer Punkt. Hier wirkt die gesamte bewegte Masse ein (Fahrrad, Person, Gepäck). Der Safety Level muss deshalb das Gesamtgewicht berücksichtigen. Auf die Sattelstütze wirkt nur das Körpergewicht (+Rucksack) ein und wird daher anders errechnet. Ausnahmslos alle Lenker, Vorbauten und Sattelstützen sind von ergotec getestet und mit dem Safety Level klassifiziert. Egal mit was für einem Rad ihr unterwegs seid, ihr bekommt immer das passende Bauteil mit Sicherheitsklassifizierung. Auf der Eurobike (Halle A 6 /Stand 100) werdet ihr übrigens noch mehr über die erweiterte Klassifizierung für Mountainbikes erfahren.

Nabenmotor 2.0

Der Neodrive Nabenmotor macht das S-Pedelec von MTB-Cycletech mit Nummernschild, Hupe, ergotec-Spiegel ist bis zu 45 km/h schnell
Eva-Marie und Malte stellen das Neodrives MTB Cycletech vor

Und noch ein Vorurteil können wir ausräumen. Nabenmotoren sind nicht stark und laufen heiß. Neodrives hat uns ein MTB Cycletech gezeigt mit Pinion-Getriebe und Gates-Riemen. Und wir sind es Probegefahren. Das Bike fährt sich extrem angenehm, sicher und natürlich auch schnell. Eva-Marie und Malte haben es uns im Video vorgestellt. Dieses Bike 2020 ist perfekt für den Einsatz als Pendlerrad mit einer etwas längeren Strecke geeignet.

Der Fazua-Antrieb

Den Fazua-Antrieb haben wir auf einem eRoadbike von Focus kennen gelernt. Die Fazua-Einheit mit Motor und Akku wirkt sehr aufgeräumt und lässt sich komplett im Unterrohr unterbringen. Natürlich unterstützt sie nur bis 25 km/h, danach entkoppelt sie kaum merklich und man kann einfach schneller fahren. Der Schub wirkt schwächer als mit einem Bosch-Motor. Die Unterstützung auf einem eRennrad muss aber auch nicht zuschlagen wie die alten Bosch-Tretlager-Boliden, denen ich immer eine gewisse Hassliebe zu Ketten nachsage. Der Fazua-Antrieb ist aber nicht nur zurückhaltender. Man kann ihn auch mit einem Griff entfernen. Und schon hat man ein wunderbares Rennrad mit akzeptablen Gesamtgewicht. Diese Vielfältigkeit ist für ein eRennrad eher ungewöhnlich – und sehr nützlich.

Das Niner machte eine sehr gute Figur

Nabenmotor die Zweite

Und noch einen Nabenmotor an einem Rennrad haben wir uns angesehen: das Simplon Kiaro Pmax

. Besonders fällt auf, dass nichts auffällt. Das Unterrohr, in dem der Akku untergebracht ist, ist nicht extradick, sondern einfach nur etwas dicker, aber gefühlt genauso wie beim nicht ePavo. Und den Naben-Motor sieht man auch kaum, da der Motor nicht größer ist als der Zahnkranz. Ein Nabenmotor verrichtet seine Arbeit einfach immer unauffällig, bei dem ePavo ganz besonders. Vorteil: man kommt auch mit schnellen Gruppen gut mit und fällt am Berg nicht zurück.

Schöne Bikes ohne „e“

Und ja, auch wenn mittlerweile etwa die Hälfte aller Bikes elektrisch unterstützt werden, es gibt sie noch: die bildschönen Bikes, die man einfach zu Fuss fährt. Besonders sind uns die Urban Bikes aufgefallen von Schindelhauer, Rabeneick, Coboc, aber auch das MTB von Niner in seiner sehr hübschen zwei-Farben Lackierung. Das Prowler sah recht überzeugend aus, das Allmountain von KTM, die Rennräder mit ihrer aufgeräumten Kabelführung. Und eine andere Marke ist auch wieder da: Corratec. Wir haben die Rosenheimer schon gar nicht mehr richtig auf dem Schirm gehabt. Mit ihren sportlichen Erfolgen knüpfen die Jungs aber wieder an erfolgreiche Tage an. Und die Bikes sind preislich interessant. Ebenfalls immer wieder ein Hingucker: das Bionicon mit seiner schönen Ein-Knopf-Bergauf-Bergab-Mechanik.

Martin (rechts) von Bike-TV und Patrick von born2.bike

Nach der Vor-Messe ist vor der Messe

Jetzt haben wir Euch vielleicht schon mal richtig gut die Zähne lang gemacht auf die anstehende Eurobike 2019, die uns auf die Bike 2020 Neuigkeiten vorbereiten soll. Die letzte Eurobike war der Brüller für uns. Es wird viel zu entdecken geben! Wir werden Euch berichten! Jens und Patrick werde Euch direkt von der Messe schreiben. Und mit Martin und Sylvia von Bike-TV haben wir auch noch einiges vor 🙂

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