Praxistest Simplon Inissio

Am Mandichiosee
Als Gravel-Bike: das Simplon Inissio
An der Wertach im Praxistest Simplon Inissio
Als Touren-Rennrad macht das Inissio auch gute Figur

Im Praxistest Simplon Inissio möchten wir Euch aufzeigen, wie ein Bike aussieht, das viele Möglichkeiten auf sich vereinen kann: Gravel, Randonneur, Cross und Rennrad. Wir machen Euch außerdem darauf aufmerksam, dass die Firma Simplon seit November 2018 ein offizieller Sponsor von born2.bike ist. Dieser Artikel muss also als Werbung gekennzeichnet werden, was er hiermit ist. Inhaltlich wird kein Einfluss auf unsere Artikel genommen. Jetzt aber los!

Die Gattung Gravel-Bike ist über die Fahrrad-Branche gekommen, wie ein völlig unerwarteter Sturm aus heiterem Himmel. Rennradfahrer haben gesagt, dass Gravel-Bikes doch schon lange als Querfeldein-Räder oder Cyclocrosser bekannt sind. Mountainbiker fanden, dass diese Gattung mit den schnellen Cross-Country-Bikes schon perfekt bedient wird. Generell meinte ein großer Teil der Fahrradgemeinde, dass die Gravel-Bikes einfach eine neue Marketing-Idee der amerikanischen Bike-Industry seien. Jeder, der einmal auf einem Gravel-Bike gesessen ist, weiß, warum diese Räder doch weit mehr sind. Zur „Klassifizierung“ der Bikes könnt ihr euch diesen Artikel nochmal durchlesen.

Warum Gravel-Bikes?

Die Sicht auf ein Gravel-Bike wurde im Wesentlichen bestimmt durch die Orientierung des Betrachters, also eher Rennradler oder MTB’er. Technisch ist ein Gravel-Bike heute (2018) ein Rad mit Genen aus beiden Welten: einem Langstrecken-Rennrad-Rahmen, Scheibenbremsen, weitem Gabelschaft zur Aufnahme breiter Reifen um die 28 – 35 mm (Trend immer breiter) und einer eher MTB-orientierten Schaltung sowie einer Menge Aufnahmepunkte für Schutzbleche und Gepäckträger. Der praktische Nutzen steht im Vordergrund. Auf jedem halbwegs fahrbaren Untergrund zügig vorankommen und eventuell auch ein kleines Abenteuer mit dem Bike wagen, lautet die Devise. Genau dieser hohe Nutzwert ist es auch, der alle Lager beeindruckt. Der Rennradler kann jetzt auch auf Waldwegen und im Herbst und Winter unterwegs sein, ohne Angst vor Nässe und rauem Untergrund haben zu müssen. Der Mountainbiker kann das Gravel-Bike im Winter nutzen, um seine Kondition zu halten, sein Grundlagentraining zu optimieren und perfekt für den Sommer zu trainieren.

Steckachse und Scheibenbremse
Steckachse, Scheibenbremsen und Stollenreifen
Die Kassette
Die Kassette – mit der richtigen Kraftübertragung unterwegs

Praxistest Simplon Inissio

Das Inissio kann man bei Simplon als perfektes Gravel-Bike aufbauen. Die typische Spezifikation seht ihr hier rechts und links: Scheibenbremsen, Steckachsen, Stollenreifen, große Kassette und Schutzblech an einem Rahmen, der besonders gut nachfedert und langstreckentauglich ist. Das raffinierte an dem Inissio ist, dass man das gleiche Rad auch als perfektes Langstrecken-Rennrad oder als Randonneur (Touren-Rennrad) oder als Crosser aufbauen kann. Die Auswahl beginnt schon bei der Bestellung: Lenker, Schaltwerk, Bremsen, Laufräder und Zusatzausstattung lassen sich individuell bei Simplon zusammen stellen.

SetUp

Hier noch ein paar Eckdaten: unsere Inissio hat ein Gewicht von 7,8 kg in der Rennrad-Variante. Bestellt haben wir es mit der elektrischen Ultegra di2 2×11 Schaltung. Der Rahmen, Lenker und Gabel sind vollständig aus Carbon. Die Schaltgruppe haben wir vorne mit 50/34er Kettenblättern und hinten mit einer 11/34er Kassette ausgestattet (wie gesagt: alles individualisierbar). Ultegra Scheibenbremsen 160 vorne und 140 hinten. Den Lenker möchten wir auch noch einmal hervorheben: er ist so griffig und angenehm, man glaubt gar nicht, dass alles Carbon unter dem bequemen Lenkerband ist.

Aus 1 mach 4 – 4 unterschiedliche Einsatzzwecke

Der Clou ist aber, dass man zuhause das Bike mit ein paar Handgriffen ebenfalls an die unterschiedlichen Zwecke anpassen kann: Man nehme das Gravel-Bike, entferne die Schutzbleche und man hat einen Crosser (damit man die schnellen und harten Lenkeinschläge noch besser meistern kann, würde man vermutlich auch noch einen kürzeren Vorbau wählen – leicht genug, um das Rad zu schultern ist das Inissio mit ca. 7,8kg allemal). Lässt man die Schutzbleche dran und schraubt noch Gepäckträger hin und zieht Slicks auf, so steht man vor einem einem echten Randonneur. Gepäcktaschen dran und das Abenteuer kann beginnen. Alles abschrauben, was keine Miete zahlt und nur mit Slicks bewaffnet: und wir sehen ein perfektes Rennrad für lange Strecken vor uns. Die Räder von Simplon kann man im Übrigen alle im Experience-Center testen (ab Mitte Januar geht es wieder los. Es gibt Experience Center u.a. in Hard am Bodensee, Regensburg und Brixen).

Im Video könnt Ihr sehen, wie das Inissio Fahrt aufnimmt. In dem Everysight-Video ist u.a. oben die Geschwindigkeit und rechts die Herzfrequenz eingeblendet.

Ganz schneller Wechsel des Charakters

Der Praxistest Simplon Inissio hat gezeigt, dass man den Charakter des Rades am schnellsten wechseln kann mit dem Tausch der Reifen. Mit schmalen Rennradreifen hat man nur noch minimalen Rollwiderstand. Zieht man breite Stollenreifen auf, dann sind die nicht nur bequem, sondern man kommt auch auf jedem Forstweg gut zurecht. Wie schnell das Inissio tatsächlich ist, mussten wir gleich ausprobieren. Die Ergebnisse sehr ihr in dem Video. Es ging leicht bergab. Das Highspeed von 56,7 km/h bei der Jungfernfahrt fand ich aber schon ganz gut. Ohne Schutzblech und Gepäckträger wäre es auch kaum schneller gewesen – außer auf weiter Distanz in der Durchschnittsgeschwindigkeit. Auch das Gravel-Outfit mussten wir ausgiebig testen. Die Durchschnittsgeschwindigkeit lag bei uns etwa 2 km/h niedriger – aber man kann wunderbar durch Wald- und Forstwege peitschen, was wir in den Westlichen Wäldern ausgiebig gemacht haben.

Pit-Stop-Strategie

Für besonders häufiges Wechseln empfiehlt es sich gleich zwei komplette Laufradsätze (Felgen mit passender Steckachse, Bremsen, Kassette und dazu gehörende Reifen) zu bestellen. Für den Einsatz als Gravelbike kann man auch über 27,5 Felgen mit dicken 40mm breiten Stollenreifen nachdenken (Nachfragen!). Unser Gravel-Bike SetUp-Tip: vorne Schwalbe X-One Allround und hinten X-One Speed. Der Rollwiderstand der X-One Speed Reifen ist deutlich niedriger – und das macht sich vor allem hinten bemerkbar. Vorne möchte man dagegen den vollen Grip auch in der Kurve.

Fahrverhalten

Das Inissio fährt sich für ein Rennrad recht entspannt. Im Rennrad-SetUp ist es richtig schnell und will mehr! Das Bike hat mich stark in seinen Bann gezogen und sofort Spitzengeschwindigkeit gefordert (siehe Video). Und als Gravel-Bike? Wollte es ebenfalls Speed – auf Kies, Wald- und Forstwegen. Der Sattel ist bequem, die Abstände ließen sich sofort einfach einrichten und der Lenker ist definitiv eine positive Überraschung, da er sehr gut in der Hand liegt. Meine alten Rennräder fordern da wesentlich mehr Toleranz ab.

Fazit

Das Inissio ist wirklich ein echtes Chamäleon. Überzeugt hat es uns als Rennrad, als Gravel-Bike und als Touren-Rennrad. Bleibt noch das Inissio als Querfeldeinrad. Das haben wir in diesem Einsatzfeld noch nicht getestet – noch nicht! Typischerweise ist ein Langstreckenrennrad und auch ein Randonneur mit einer bequemen Sitzposition zu fahren. Auf einem Gravel-Bike ist es bequem auch besser. Einzig das Querfeldeinrad mag es gerne schnell und eckig in den Kurven. Und den wunderschönen Carbon-Rahmen beim Schlamm-Catchen durchnudeln? Nein, das ging uns einfach gegen den Strich. Vielleicht liefern wir nach 😉 Auf jeden Fall werden wir Euch eine Menge Abenteuer auf dem Inissio liefern! Versprochen!

 

 

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